NÖN-Artikel: Erfolgreiches "Come Back" 1

Erfolgreiches „Come Back“

On tour | Das Arbeitsmarktservice ist wieder unterwegs zu den Betrieben. Es gilt, die gute Zu­sammenarbeit mit den Unternehmen auch für ältere Arbeitslose zu nutzen.

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Hermann Neulinger (l.}, der Martin Becker (2.v.l.) eine neue Chance gab – zur Freude von AMS-Geschäftsstellenleiter Kurt Steinbauer (sitzend) und AMS-Unternehmensberater Harald Resch. Foto: Lassmann-Maser

BEZIRK – ZWETTL | Das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ nutzt die ersten Vorboten eines besseren Wirtschaftswachstums und setzt auf eine Stellenakquisiti­ons- und Vermittlungsoffensive.

Das Stellenangebot entwi­ckelt sich wieder positiv, und es werden wieder mehr Arbeits­kräfte gesucht“, erklärt Zwettls AMS-Leiter Kurt Steinhauer. Das AMS nutzt diesen Trend und setzt auf die intensive Koopera­tion mit den Unternehmen. Die Führungskräfte und Berater des AMS Zwettl aus dem Bereich Service für Unternehmen werden heuer bei rund 160 Betrieben im Bezirk unterwegs sein, um freie Stellen zu akquirieren, und die partnerschaftliche Zu­sammenarbeit zu stärken.

„Die Förderung ist ein Anreiz für den Unter­nehmer, jemanden eine Chance zu geben. Profilieren muss sich derjenige dann selber.“
AMS-Chef Kurt Steinbauer

„Wir haben uns heuer zum Ziel gesetzt, rund 1.100 freie Stellen und Lehrstellen zu besetzen. Dabei legen wir den Fokus auch auf die Vermittlung von Arbeitsuchenden im Alter ab 45. Um diese Vorhaben umzusetzen, ist eine persönliche, vertrauensvolle Gesprächsbasis besonders wichtig“, so Steinbauer.

Die Betriebsbesuchsoffensive steht heuer im Zeichen der part­nerschaftlichen Zusammenarbeit. Ein Paradebeispiel dafür, wie erfolgreich diese Zusam­menarbeit funktionieren kann, ist die Wiedereingliederung eines älteren Arbeitnehmers im Betrieb von Hermann Neulinger in Roiten.

Mit der „Come Back“-Förderung gewährt das Arbeitsmarktservice Arbeitgebern einen Zuschuss zu den Lohnkosten, wenn diese beim AMS vorge­merkte Arbeitsuchende, die langzeitarbeitslos sind oder Gefahr laufen, dies zu werden, in ein Dienstverhältnis aufneh­men. „Höhe und Dauer der Lohnkostenförderung werden zwischen AMS-Beratern und Un­ternehmen vereinbart. Mit derartigen Eingliederungsbeihilfen und einer Reihe weiterer Förderungsinitiativen gelingt es dem AMS, die Beschäftigungschancen ‚älterer‘ Arbeitsloser ab 45 Jahre zu steigern“, erklärt Stein­bauer.

Martin Becker aus Singenreith bei Kottes, der zur 5O-Plus-Generation zählt, ist nach längerer Arbeitsuche aufgrund einer Initiativbewerbung bei der Tischlerei Neulinger in Roiten und mit Hilfe des AMS – der Jobwiedereinstieg gelungen. Er ist gelernter Kellner, hat dann in anderen Berufen gearbeitet und ist jetzt erstmals in einer Tischlerei tätig.

„Die Eigeninitiative von Herrn Becker hat mir gefallen. Er ist einfach zu uns in die Fir­ma gekommen und hat nachgefragt, ob wir für ihn eine Be­schäftigungsmöglichkeit hätten. Zur Unterstützung hat das AMS Zwettl dann eine ,Come Back’­ Förderung angeboten, und so habe ich mich entschlossen, Herrn Becker als Tischlerhelfer einzustellen“, erzählt Firmenchef Hermann Neulinger. Be­cker ist seit Ende Dezember 2013 im Betrieb tätig- und alle Seiten sind zufrieden. Eine weitere Verlängerung des Dienstverhältnisses wurde durch den Firmenchef bereits in Aussicht gestellt.

Eine win-win-Situation für alle Beteiligten

Die Förderung des AMS sei eine Art „Eintrittsschein“, so Kurt Steinhauer, „ein Anreiz für den Unternehmer, jemanden eine Chance zu geben. Profilieren muss sich derjenige dann selber.“ Martin Becker tut das. Er ist voll motiviert, hat sich nicht nur gut in den Arbeitsprozess, sondern auch in das Team eingefügt. Für alle Beteiligten ist die Einstellung Beckers eine win-win-Situation – für Her­mann Neulinger, der schon län­ger jemanden für die Nebenar­beiten gesucht hat, um die Lehrlinge zu entlasten, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen, ebenso wie für Martin Becker, der wieder in das Berufsleben integriert ist, genauso wie für das AMS. „Ich bin sehr froh, dass ich wieder einen fixen Arbeitsplatz habe“, so Martin Be­cker. „Und ich rate meinen Leidensgenossen: Nicht aufgeben!“

Hermann Neulinger hat gemeinsam mit Gattin Claudia den elterlichen Betrieb in Roiten 2009 übernommen. Derzeit hat er 15 Mitarbeiter. Erledigt werden im Unternehmen sämtliche Tischlerarbeiten, der Schwerpunkt freilich liegt im Bereich „guter Schlaf“. So hat sich die Tischlerei Neulinger mit ihren metallfreien Zirbenholzbetten und dem Ladina Multiflex-Schlafsystem – sogar die Lattenroste und Matratzen werden in Roiten direkt herge­stellt – einen hervorragenden Ruf weit über die Bezirksgren­zen hinaus erworben.

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