In der Fachzeitschrift für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer (mein wald mein Holz) gab es in der Ausgabe 3/2016 einen Artikel über das FEHRA-Projekt.

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Scan der Doppelseite aus der Fachzeitschrift „mein wald mein Holz – 3/2016“

Fehra-Projekt:
Der Kiefer auf die Sprünge helfen!

Die Kiefer ist eine Pionierbaumart, deren Holz keinen besonders guten Ruf hat, aber die an Bedeutung gewinnen soll. Das Projekt „FEHRA“ hat sich zum Ziel gesetzt, neue Anwendungsfelder für Kiefernholz zu finden.

Von Wilhelm TRITSCHER

 

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Im Waldviertel spielt die Kiefer (Fehra) in der Forstwirtschaft eine wichtige Rolle. – Foto: R.Stingl

Was die Kiefer so interessant macht und welche Anwendungsgebiete das sind, erläutern DI Susanne Formanek (ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich) und Dr. Erik van Herwijnen (Wood K plus, Kompetenzzentrum Holz) im Gespräch mit Wilhelm Tritscher.

„mein wald mein holz“: Die Kiefer wird oft als Pionierbaumart und als konkurrenzschwache Baumart bezeichnet. Wel­che Standorte liebt die Kiefer?

Erik van Herwijnen: Fast alle, aber die Kiefer wird leicht von anderen Baumarten verdrängt. Sie wächst daher dort gut, wo andere Bäume es schwer haben. Ihr Lichtbedarf ist schon in der Jugend hoch, daher rührt ihre Konkurrenzschwäche. Gefragt ist die Kiefer als Holzart neben Fichte und Lärche sowie als Baumart nach Kahlschlä­gen, auf Freiflächen oder auf Katastrophenflächen wie z.B. Waldbrandflächen. Daher ihr Ruf als Pionierbaumart.

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Rinde und Nadeln der Kiefer. – Foto: Archiv Waldholz

Kiefer und Klimawandel

Wie kommt die Kiefer mit dem Klima­wandel zurecht?

Erik van Herwijnen: Sehr gut, die Kiefer ist ein Tiefwurzler und „schwitzt“ weniger als andere Nadelbäume. Sie ist daher gegen Trockenperioden und Windwurf besser gewappnet.

Ist die Kiefer im Zeitalter des Klimawan­dels eine Alternative zur Fichte?

Erik van Herwijnen: Ja! Die Fichte ist ein Flachwurzler und schwitzt mehr. Die Kie­fer hat besondere Anpassungsmechanismen gegenüber durch Fröste, Trockenheit und Waldbrand hervorgerufene Schädigungen entwickelt.

Unter welchen Voraussetzungen wür­den Sie Waldbesitzern raten, Kiefern zu pflanzen, unter welchen eher nicht?

Erik van  Herwijnen: Wenn die Kiefer in der Naturverjüngung auftritt, sollte man sie fördern und auch weiter anpflanzen! Wenn allerdings die Fichte in der Naturverjüngung dominiert, ist es besser bei der Fichte zu bleiben. Die jungen Kiefern würden so­wieso wieder von naturverjüngenden Fichten verdrängt werden. Bei reinen Kiefernbeständen können die unvollkommen zersetzten Nadeln den Waldboden versauern. In Mischwäldern z.B. mit Eichen oder Buchen ist das kein Problem.

Welche Schädlinge bedrohen die Kiefer?

Erik van Herwijnen: Vorwiegend sind es Schadpilze, z.B. Spaehropsis sapinea, der u.a. das Kieferntriebsterben verursachen kann. Aber auch Nadelfraß verursachende Schädlinge wie z.B. Kiefernspanner, -spinner und -schwärmer können der Kiefer zu­setzen, ebenso wie der Kiefernrindenblasenrost. Er kann insbesondere bei älte­ren Kiefern zum Absterben des Wipfels führen. Ebenfalls durch Pilze hervorgerufen wird die s.g. „Bläue‘,‘ die aber in der Regel erst nach der Fällung auftritt, für die die Kiefer (ebenfalls durch Spaehropsis sapinea verursacht) aber besonders anfällig ist. Die Pilze schädigen das Holz aber NICHT mechanisch, die Blaufärbung stellt aber dennoch eine Wertminderung dar.

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Im Wettstreit mit anderen Baumarten unterliegt die Fehra (Föhre) meist – ganz besonders auf guten Standorten. – Foto: Archiv Waldholz

Holz-und Produktqualität

Wie steht es um die Holzqualität der Kiefer?

Erik van Herwijnen:  Die mechanischen Parameter, wie Scherfestigkeit, Torsionsfestigkeit, Brinellhärte sind im Allgemeinen besser als bei der Fichte. Auch bei der Dauerhaftigkeit des Kernholzes übertrifft sie die Fichte.

Das Holz ist allerdings astig und harzreich, es greift sich ,,fett“ an, hat eine ausgeprägte Textur und einen gelblich-rötlichen Kern. Es dunkelt stark nach. Die Kiefer verfügt über einen hellgelben Splint und einen aromatischen Geruch. Das Holz ist weich bis mittelhart.

Wo sehen Sie das größte Potenzial für Kiefernholz?

Erik van Herwijnen:  Der Anwendungsbereich für Kiefernholz ist umfassend. Er reicht von Bau- und Konstruktionsholz, Tischlerholz, Plattenwerkstoff (Spanplatte, MDF, OSB), Erd- und Feuchtbau (Kernholz, imprägniertes Splintholz) bis zum Fensterbau und hygienischen Anwendungen. Der Farbunterschied zwischen Splint- und Kernholz bietet gute Designmöglichkeiten. Die Äste verleihen ihr eine rustikale Note.

Einer Verwandten der Weißkiefer, der Zirbe, wird antibakterielle Wirkung be­stätigt. Trifft dies auch auf die Weißkiefer zu?

Erik van Herwijnen: Die Weißkiefer hat eine ausgezeichnete antibakterielle Wirkung, speziell das Kernholz. In einigen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass das Holz über beste antibakterielle Eigenschaften verfügt, allerdings gab es keine Vergleichstests mit der Zirbe.

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Auch optisch ein Gewinn, das metallfreie Bett aus Kiefernholz. – Foto: Tischlerei Neulinger

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Kiefernholz wird gerne auch im Innenausbau verwendet. – Fotos: Holzbau Zainzinger

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Kiefernholz wird gerne auch im Innenausbau verwendet. – Fotos: Holzbau Zainzinger

Fehra-Projekt – was ist das?

Wer steht hinter dem Fehra-Projekt?

DI Susanne Formanek: „FEHRA“ nennt sich ein Kooperationsprojekt des ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich, das die beteiligten Gewerke entlang der Wertschöpfungskette „Kiefernholz“ mit Universitäten, Ausbildungsstätten und Forschungseinrichtungen vernetzt. Koordiniert wird das Qualifizierungsprojekt von Wood K plus (Kompetenzzentrum Holz GmbH). Im Mittelpunkt steht der Knowhow-Transfer zwischen den mehr als 20 Unternehmenspartnern einerseits und den Wissenschaftspartnern andererseits. Die Fördergeber sind die FFG (Forschungs Förderungs Gesellschaft) und das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Ziel ist es, die Unternehmen dabei zu unterstützen, mit der Kiefer effizient, effektvoll und innovativ zu arbeiten. Gemeinsam wird nach Zukunftsstrategien für eine nachhaltige Verwendung von Kiefernholz gesucht und Kooperationen quer durch alle Wertschöpfungsstufen werden aufgebaut.

Warum macht man dieses Projekt ge­rade mit der Kiefer?

DI Susanne Formanek:  Die Kiefer ist besonders als Zukunftsbaum im Zusammenhang mit dem Klimawandel sehr wichtig. Da sie aber nicht den besten Ruf hat, wollen wir ihr damit helfen, an Bedeutung zu gewinnen. Damit will man der Kiefer zu neuen Absatzmärkten verhelfen. Besonders für kieferholzverarbeitende Betriebe ist es eine Chance, neue Märkte zu finden, sich am Markt als Experten zu positionieren und so Wachstum für die kommenden Jahre zu sichern. Außerdem will der Cluster neue Unternehmen anderer Bereiche für die Branche gewinnen, wie zum Beispiel die Medizintechnik. Die Initiative entstand aus einem niederösterreichischen Unternehmensnetzwerk im Waldviertel und hat nun die Chance, so wie die Zirbeninitiative sich über das Land auszurollen. Diese Kooperation von Wirt­schaft und Wissenschaft soll den Entwicklergeist anzuspornen und das Innovations­potential der Partner heben.

Das Fehra-Projekt hat das Ziel, neue Anwendungsfelder für Kiefernholz zu finden. Welche Erfolge gibt es dabei?

DI Susanne Formanek: Mittlerweile hat sich schon einiges getan. Neue Designmöbel z.B. Betten, Fassaden, Wohnwagen aus Kiefernholz, Vollholzhäuser aus Kiefernholz, sind unter anderem Anwendungsbereiche, in denen Kiefernholz vermehrt oder erstmals eine Rolle spielt. In Einsatzgebieten, wo man hygienische bzw. antibakterielle Materialien benötigt, findet Kiefernholz zunehmend An­wender. Das gilt es weiter zu forcieren, da dies eine Stärke der Kiefer ist. Das Holz der Kiefer würde sich gut für Krankenhäuser eignen. Auch daran arbeiten wir noch.


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